Städtepartnerschaft

... Angarsk - Mönchengladbach

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Post aus Angarsk

Mönchengladbacher Friedensforum erhält offenen Brief von Bürgerinnen und Bürgern aus Angarsk:

„Wir unterstützen eine Städtepartnerschaft von Angarsk und Mönchengladbach und würden uns sehr freuen, wenn unsere Meinung in Ihre Entscheidungsfindung einfließen würde.“

Am Wochenende ging ein Schreiben namhafter Persönlichkeiten der am Baikal-See gelegenen Stadt Angarsk beim Mönchengladbacher Friedensforum ein, in dem sich diese für einen Städtepartnerschaft zwischen den beiden Städten einsetzen und den Stadtrat bitten, ihre Meinung in seine Entscheidung einfließen zu lassen.

Dieses Schreiben wird das Friedensforum zeitnah den im Rat der Stadt Mönchengladbach vertretenen Fraktionen und der Mönchengladbacher Presse übermitteln.

Offener Brief an den Stadtrat von Mönchengladbach von Bürgerinnen und Bürgern  der Stadt Angarsk

Das einzige, was wir von Mönchengladbach wissen, ist, dass es im Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt, dem Bundesland, das uns jede Menge Atommüll, abgereichertes Uranhexafluorid, geschickt hat. Wieviel davon inzwischen auf dem Territorium des „Elektrochemischen Werkes Angarsk“ gelagert wird, wissen wir in Angarsk nicht. Dies, so sagen uns die Vertreter der Atomwirtschaft, sei schließlich ein Geschäftsgeheimnis. Mit diesem Argument verbergen sie vor der Bevllkerung von Angarsk wichtige Informationen.
Wir wünschen uns sehr, dass nicht nur Uranhexafluorid die Menschen von Angarsk und Mönchengladbach verbindet. Wir könnten gemeinsam einen kulturellen Austausch organisieren, einen Erfahrungsaustausch von Fachleuten, gemeinsam Projekte überlegen und umsetzen. Möglicherweise lässt sich eine wirtschaftliche Zusammenarbeit im Bereich von alternativen Energien umsetzen. Deutschland ist doch weltweit führend in der Windenergie.  Leider wird bei uns im Gebiet Irkutsk, zu dem Angarsk gehört, Wind überhaupt nicht zur Produktion von Energie genutzt. Das wäre, um nur ein Beispiel zu nennen, doch ein Projekt einer Zusammenarbeit, die wirtschaftlich, ökologisch und völkerverständigend wäre.
Wir unterstützen eine Städtepartnerschaft von Angarsk und Mönchengladbach und würden uns sehr freuen, wenn unsere Meinung in Ihre Entscheidungsfindung einfließen würde.

Swetlana Slobina, Journalisting der städtischen Zeitung „Vremja“
Natalja Oschogina, Chef-Redakteurin der Samstags-Ausgabe der städtischen Zeitung „Vremja“
Anastasja Kurmasowa, Journalistin
Alena Kutnjakowa, Hausfrau
Anastasja Artjemewa, EDV-Systemadministratorin
Olga Karpowa, Bäckerin im Brotkombinat von Angarsk
Wjateslaw Proschin, künstlerischer Leiter des Maskentheaters
Ekaterina Smirnowa, Ärztin für Neurologie
Lilia Fedosowa, Köchin
Vasilij Fedosov, Student der Berufsfachschule
Alexej Besborodow, Web-Designer
Christina Komarowskaja, Angestellte eines Sicherheitsdienstes
Alexander Morosow, Rentner
Valentina Vedenejewa, Rentnerin
Nadeschda Doroschenko, Journalistin
Maria Lisowa, Rentnerin

Persönliche Stellungnahmen
WARUM ICH EINE STÄDTEPARTNERSCHAFT VON ANGARSK UND MÖNCHENGLADBACH MÖCHTE

Vjatscheslav ProschinVjatscheslav Proschin, künstlerischer Leiter des Maskentheaters:
- Als Künstler würde ich mich natürlich besonders freuen, wenn ein kultureller Austausch möglich wäre. Und wir haben durchaus etwas, was sich sehen lassen kann. Manche Talente unserer Stadt haben auch im Ausland einen großen Bekanntheitsgrad. Der aus unserer Stadt stammende Sänger Valentin Lewtschenko hatte schon mehrfach Konzerte in Italien gegeben. Dabei ist Singen nur seine Nebenbeschäftigung. Er arbeitet in unserem Krankenhaus als Chefarzt der Abteilung für Psychologie und Neurologie. Wir in Angarsk haben sehr viele künstlerische Talente. Und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen hiervon wüssten.

Jekaterina SmirnowaJekaterina Smirnowa, Ärztin für Neurologie:
- Viele Kinder in Angarsk sind krank. Und einige von ihnen haben Erkrankungen, die sich in Russland nicht behandeln lassen. Wir haten einmal in der ganzen Stadt Geld gesammelt, um der kleinen Katja Kasakowa und dem Jungen Artjom Jazur eine Operation in einem Berliner Herzzentrum zu ermöglichen. Doch Geld zu sammeln ist nicht das größte Problem, wir Angarsker halten zusammen, wenn jemand von uns in Not ist. Ein viel größeres Problem war, in ein fremdes Land zu fahren, mit einem kranken Kind, und nicht zu wissen, was vor Ort zu tun ist. Ich denke, wenn unsere Städte Partnerstädte wären, hätten es die Eltern von kranken Kindern leichter.

Vasilij FedosovVasilij Fedosov, Student der Berufsfachschule:
- Ohne Freunde zu sein, ist schlecht. Wenn man Freunde hat, in der ganzen Welt, dann ist das gut.

Alexej BesborodowAlexej Besborodow, Web-Designer:
- Wir haben ein sehr schönes Eisstadion „Ermak“ mit 7 Tausend Plätzen. Und wir haben eine Profimannschaft. Wir könnten doch ein Freundschaftsspiel machen. Wenn ihr keine Eishockey-Mannschaft habt, könnten wir auch Fußball spielen.

Natalja OschoginaNatalja Oschogina, Chef-Redakteurin der Samstags-Ausgabe der Zeitung „Vremja“:
- Wenn man wirklich wissen will, wie die einfachen Menschen in anderen Ländern leben, welche Probleme, Pläne und Sorgen sie haben, dann erfährt man das nicht aus der Presse und den Zeitungen, dann muss man den direkten Kontakt suchen, sich gegenseitig besuchen.