Städtepartnerschaft

... Angarsk - Mönchengladbach

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Aktuelles

Friedensforum MG auf Protestveranstaltung russischer Atomkraftgegner

Bernhard Clasen vom Mönchengladbacher Friedensforum, sprach am 26. April auf einer Protestveranstaltung von russischen Atomkraftgegnern im sibirischen Angarsk.

Die Stadt war lange Jahre Bestimmungsort von abgereichertem Atommüll aus dem westfälischen Gronau. Heute ist die Stadt gekennzeichnet von sehr hohen Krebsraten und einem Atommüllager direkt an der Stadtgrenze.

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Slobina in der Zeitung Vremja über Gronau

Am 23.07.2011 veröffentlichte Swetlana Slobina in der russischen Zeitung „Vremja“ einen Artikel über ihren Gronau-Aufenthalt, hier im Original zu lesen. Im folgenden können sie die Übersetzung von Bernhard Clasen lesen:

Ab 1996 transportierte die Firma „Urenco“ aus Deutschland abgereichertes Uranhexafluorid nach Russland, wo es wiederangereichert werden soll. Ein Teil dieser Transporte ging auch nach Angarsk. Umweltschützer im Ausland gehen davon aus, dass mehr als 20.000 Tonnen radioaktiven Materials, das in der Atomenergie nicht mehr genutzt wird, mit anderen Worten, Müll, den die Atomwirtschaft aber hartnäckig als „Wertstoff“ bezeichnet, nach Russland, auch auf das Gelände der Firma AEChK, auf dem sich die Urananreicherungsanlage von Angarsk befindet, geliefert wurde.

Im Frühjahr traf sich der Generaldirektor der AEChK, Alexander BELOUSOW, mit Journalisten. Auf die Frage unserer Zeitung „Angenommen, die Firma Urenco möchte plötzlich wieder von der AEChK ihr Uranhexafluorid zurück haben, würden Sie es ihnen geben?“ antwortete der Generaldirektor „Ja, das würde ich machen“. Sehr interessant gewesen wäre es, dies auch den Generaldirektor der Firma Urenco zu fragen. Hätte er diese Stoffe wirklich wieder zurückgenommen? Bei der Beantwortung dieser Frage wäre deutlich geworden, ob das, was unter offenem Himmel in Angarsk lagert, Atommüll ist oder Wertstoff.

Ein deutscher Kollege, Bernhard Clasen aus Mönchengladbach, hatte sich bemüht, ein Treffen mit der Firma „Urenco“ in Gronau zu organisieren. Doch weder auf dem Werksgelände noch außerhalb wollte sich jemand von der Firmenleitung mit uns treffen.

Nach Gronau sind wir trotzdem gefahren. Und Udo BUCHHOLZ und Margarete WAGNER, beide Umweltaktivisten und Mitglieder des Rates von Gronau, haben uns ein Treffen mit dem Bürgermeister der Stadt, Herrn Karl-Heinz HOLTWISCH, organisiert. Der erste Bürger der Stadt ist von der CDU, einer Partei, die die Antiatomideen nicht unterstützt. Und als Vorsteher der Stadt ist er sehr daran interessiert, dass die Firma Urenco in der Stadt tätig ist. Er hat jedoch zugegeben, dass der Müll aus der atomaren Produktion, der von Deutschland nach Russland geschickt worden ist, ein Problem ist, das man gemeinsam angehen müsse.

Warum der Bürgermeister so viel von Urenco hält, ist uns schnell bei einem Rundgang durch die Stadt klar geworden. Auf vielen Werbeflächen, wie z.B. einer Werbefläche für ein internationales Grill-Fest, findet sich der Name Urenco als Sponsor. Ebenso wird die Restaurierung eines städtischen Denkmals von Urenco gesponsert, und auch ein Rock-Museum wird, obwohl dessen Gründer, Udo LINDENBERG selbst einen Anti-Atom-Aufruf unterschrieben hatte, von Urenco gesponsert. Die Firma zahlt an städtische Kindergärten und Schulen. Doch nicht an alle. Ein Biologie-Lehrer berichtete, dass an seiner Schule alle Lehrer dem Direktor gedroht hätten, die Schule zu verlassen, wenn dieser auch nur einen Cent von Urenco annehme. Und so musste der Direktor auf die angebotene Hilfe verzichten. Doch es ist eine Tatsache: Urenco reichert in Gronau nicht nur Uran an, Urenco nährt und tränkt die Menschen, unterrichtet und vergnügt sie.

In Angarsk sieht die Lage anders aus: das Chemische Elektrolyse-Werk, das die Urananreicherung betreibt, trennt sich von Firmenteilen, die nicht direkt mit der Produktion zu tun haben. So ist die Zahl der beim Werk Angestellten in der jüngsten Zeit von 6000 auf 4255 gesunken. Und Ende 2011 sollen gar nur noch 3033 Personen im Werk arbeiten. Eberhardt DOTHS, stellvertretender Vorsitzender einer Gewerkschaftsstruktur bei Verdi, hatte sich sehr gewundert, als ich ihm davon berichtet hatte. „Wie, ihr habt keine Gewerkschaft?“ wollte er wissen. Und als ich ihm gesagt habe, doch wir haben eine Gewerkschaft, hat er sich noch mehr gewundert. Eine Gewerkschaft müsste doch eigentlich die Interessen der Arbeiter und nicht die des Unternehmens vertreten.

In Deutschland sind übrigens die Gewerkschaften (DGB) gegen Atomenergie. Das ist deren offizielle Position. Doch wenn die Urananreicherung in Gronau geschlossen werden sollte, werden auch Arbeiter entlassen werden. Und so wollte ich von Eberhard wissen, wie sich in so einem Fall die Gewerkschaft verhalten werde.

„Die werden nicht ohne Arbeit bleiben“ gab er mir zur Antwort. Die Berliner Universität hat schon lange ein Gutachten zur Konversion der Werke von Urenco erarbeitet. Doch solange die Anreicherung von Uran profitträchtig ist, wird man sie nicht schließen wollen. Im Gegenteil, Urenco will die Produktion sogar noch ausbauen, strebt ein Viertel des Weltmarktes an. In diesem Zusammenhang baue das Werk auch ein neues Atommülllager. Das war ja erforderlich geworden, nachdem Russland 2009 den Vertrag zur Abnahme von Uranhexafluorid nicht mehr verlängert hat und auch keines mehr annimmt. Dies berichtete mir auch Udo Buchholz, dass das in Gronau geplante Atommülllager aus diesem Grund auf 60 tausend Tonnen Müll ausgelegt werden soll.

Am nächsten Tag fuhren wir in die Niederlande. Auch in der holländischen Stadt Almelo findet sich ein Werk von „Urenco“. Obwohl es dort eine Schiene gibt, wird das Uran doch mit LKWs an- und abtransportiert. Die Bewohner von Enschede an der Grenze zu Deutschland fürchten sich vor Atomtransporten und haben deswegen einen Meter des Gleises entnommen. Deswegen ist die Linie nur für den Personenverkehr befahrbar.  Die Fahrgäste müssen immer in Enschede umsteigen.

In Almelo ist die Firma ETC (Enrichment Technology Company), die Zentrifugen für die Anreicherung von Uran produziert. Auch dieses Werk unterliegt der Geheimhaltung. Wir gingen in die Pforte, ohne uns vorher angemeldet zu haben. Und nach 15 Minuten, in denen wir verhandelten, unsere Papiere zeigten, Handys und Kameras verschlossen hatten, konnten wir mit einem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Manager sprechen, Herrn Frank TERHORST. Ich erinnerte mich, dass mir bei einer Führung in unserem Werk AEChK in Angarsk der Chefingenieur, Viktor WANDYSCHEW gesagt hatte, dass es bei einem Erdbeben und einer damit einhergehenden Öffnung der Zentrifuge zu keinem Verlust von Uran kommen könne, da in der Zentrifuge ein Vakuum sei. Und so stelle ich diese Frage dem holländischen Fachmann, frage ihn, was sein wird, wenn es auf dem Firmengelände zu einem Erdbeben kommen würde.

„Wir bauen unsere Werke nicht in erdbebengefährdeten Gebieten, weil unsere Anlagen sehr sensibel sind“ gab er mir zur Antwort.  Ebenfalls räumte man dort ein, dass Flugzeugabstürze durchaus ein mögliches Risiko sind. Sollte ein Flugzeug auf dem Werk abstürzen, wurde mir gesagt, würde die Ausrüstung natürlich Schaden nehmen. Gleichzeitig sagte man uns aber auch, dass ein Flugzeugabsturz auf ein Atomkraftwerk noch viel schlimmer wäre. Schließlich sei die Urananreicherung ein weniger gefährlicher Vorgang.

Doch der atomare Kreislauf ist doch ein Kreislauf. Deswegen spricht man sich in Deutschland gegen den gesamten atomaren Kreislauf aus. In Gronau leben ungefähr 40 Tausend Einwohner. Und so sehr auch Urenco die Menschen speist und sponsert, kamen doch am 26. April 15 Tausend Menschen nach Gronau zu einer Antiatom-Demonstration. Und die Menschen sind nicht nur gegen die Lagerung des Atommülls in Gronau, sie sind auch gegen einen Export nach Russland.

Am 3. Juli wird vor dem Urenco-Werk in Gronau wieder eine größere Aktion stattfinden. Es wird ein Jubiläum sein, der 300. Sonntagsspaziergang. Wir haben uns entschlossen, dass wir uns dieser Aktion der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung anschließen. Derzeit wurde eine Anmeldung einer Aktion um 17:00 Uhr auf dem Lenin-Platz bei den städtischen Behörden angemeldet. Dort wollen wir die ökologischen und sozialen Fragen diskutieren, die mit dem Werk AEChK zusammenhängen. Gleichzeitig wollen wir Unterschriften unter einen Brief an den deutschen Umweltminister Norbert Röttgen sammeln.

Artikel von Swetlana Slobina; Übersetzung von Bernhard Clasen

Auf dem Foto im original Artilkel zu sehen von links nach rechts: die Stadträtin der Linkspartei, Margareta WAGNER, der Journalist Bernhard CLASEN, die für Literatur zuständige Redakteurin der Zeitung „Vremja“, Swetlana SLOBINA, der Stadtrat von Gronau und Führungsperson der Antiatombewegung, Udo BUCHHOLZ. Vor diesem Plakat hatten sich am 26. April vor den Toren von Urenco 15 Tausend Menschen versammelt. Wieviele wir am 3. Juli sein werden, liegt an uns Angarskern.

 

Vertreter des Mönchengladbacher Friedensforums in Angarsk

Bernhard Clasen spricht mit „Hospiz“-Vertreterin, dem Bürgermeister und Umweltaktivisten

(PM Friedensforum) Doppelt so viele Menschen sind prozentual gesehen in der sibirischen Stadt Angarsk an Krebs erkrankt wie in der 50 km entfernten Großstadt Irkutsk am Baikalsee. Diese schockierende Information übermittelte die katholische Ordensfrau und Ärztin Schwester Margarita Wladimirowna dem Vertreter des Mönchengladbacher Friedensforums, Bernhard Clasen, bei dessen Besuch im „Hospiz“ der Stadt Angarsk am Montag.

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[Update] Presseschau Swetlana Slobina

Swetlana SlobinaDie Angarsker Journalistin Swetlana Slobina (Bild), die für die Angarsker Stadtzeitung „Vremja“ arbeitet, war in den letzten Tagen mehrfach in den Deutschen Medien. Hier eine kleine Übersicht:

Update: Rissige UF6-Fässer in Angarsk?

Wm.tv über Swetlana Slobina am 19. Mai 2011

Swetlana Slobina in der taz vom 19. Mai

Swetlana Slobina in „scharf-links“ (19.Mai)

Swetlana Slobina in „Gronauer Nachrichten“ (18.5.2011)

Anti-Atom-Aktuell zu Swetlana Slobina

 

Danke für Euren Atommüll

Veranstaltung mit Swetlana Slobina (Angarsk)

20.000 Tonnen abgereicherten Urans gingen seit den 90er Jahren von dem nordrhein-westfälischen Gronau in vier russische Städte. Einer der Bestimmungsorte dieses Mülls war Angarsk am Baikalsee.

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Pressemitteilung vom 16. April 2011

Mönchengladbacher Friedensforum enttäuscht über Ablehnung einer Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Angarsk durch den Rat der Stadt Mönchengladbach

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Post aus Angarsk

Mönchengladbacher Friedensforum erhält offenen Brief von Bürgerinnen und Bürgern aus Angarsk:

„Wir unterstützen eine Städtepartnerschaft von Angarsk und Mönchengladbach und würden uns sehr freuen, wenn unsere Meinung in Ihre Entscheidungsfindung einfließen würde.“

Am Wochenende ging ein Schreiben namhafter Persönlichkeiten der am Baikal-See gelegenen Stadt Angarsk beim Mönchengladbacher Friedensforum ein, in dem sich diese für einen Städtepartnerschaft zwischen den beiden Städten einsetzen und den Stadtrat bitten, ihre Meinung in seine Entscheidung einfließen zu lassen.

Dieses Schreiben wird das Friedensforum zeitnah den im Rat der Stadt Mönchengladbach vertretenen Fraktionen und der Mönchengladbacher Presse übermitteln.

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Pressemitteilung vom 30. März 2011

170 Menschen aus Mönchengladbach haben sich inzwischen mit ihrer Unterschrift der Idee des Mönchengladbacher Friedensforums angeschlossen, eine Städtepartnerschaft mit der am Bai­kalsee gelegenen Stadt Angarsk, die ungefähr so groß ist wie Mönchengladbach, einzu­richten.

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